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Mit Rückenwind in die Restrunde?
Verbandsliga-Zwischenbilanz zur Winterpause
Auf und nieder, immer wieder: Der TSV/FC Korbach fand in der Hinrunde der Verbandsliga Nord keine Konstanz. Erst der Start in die Rückrunde weckt Erwartungen. Was kann die Mannschaft noch erreichen?
Wo der Tiefpunkt dieser Hinrunde lag, ist schwer zu sagen. Nach verheißungsvoller Vorbereitung waren zu oft nicht nur die Ergebnisse ausgeblieben, Frust hatte auch der wiederholte Holperfußball der Mannschaft und haarsträubende Abwehrpatzer ausgelöst. Die Nerven des neuen Trainers Tobias Cramers (siehe auch Hintergrund weiter unten) schienen nach der 0:4-Schlappe Mitte September in Sand blank zu liegen. Er reagierte gereizt auf kritische Fragen, nachdem der TSV/FC zwar besser gespielt, aber eben auch seine Gegentore 21 bis 24 kassiert hatte – im erst zehnten Saisonspiel.
Die Korbacher waren zu diesem Zeitpunkt Neunter, nicht ihre schlechteste Platzierung, denn zu Saisonbeginn hatten sie schon die Ränge 15, 13 und 11 besetzt. Aber die Tabelle hatte nach Sand eine größere Aussagekraft: Die Abstiegsplätze lagen nur drei Punkte entfernt. Cramer hatte mittlerweile sogar die Viererkette auflösen müssen und war zum System mit Libero und Manndeckern zurückgekehrt. Eine Vernunftentscheidung, aber auch eine, die Cramers Verständnis von modernem Fußball kapital widersprach.
Mehr als eine halbe U 21 Vielleicht musste das einer
wie er als Schmach begreifen, denn Cramer schien die Synthese zwischen fußballeri
schem Sachverstand und Pädagogik während der Vorbereitung ja zu gelingen. Er bildet sich in Lehrgängen regelmäßig methodisch fort, um sich auf dem neuesten Stand der Trainingslehre zu halten. Und die Spieler hatten im Training Begeisterung und Euphorie gezeigt – wann hat man einmal gesehen, dass sich Fußballer nach einer Einheit bei ihren Übungsleiter bedanken? Nur auf dem Platz kam davon während der Vorrunde nur phasenweise etwas an – das 5:1 über den FSC Lohfelden war ein Höhepunkt.

Cramer warb um Geduld. Wir hatten durchschnittlich immer sechs bis sieben Spieler auf dem Feld, die unter 21 waren. Dass da Formschwankungen vorkommen, war mir von vornherein klar, sagt er heute. Die Folge: das Auf und Ab und manch schmutziger Sieg. Vielleicht muss man noch einmal die Aufgabe betrachten, die Tobias Cramer gemeinsam (darauf legt er Wert) mit seinen Co-Trainern Ulrich Schwalenstöcker und Bernd Beckmann zu lösen hatte. Bis zu 40 Spieler wollten sinnvoll bewegt und taktisch ausgebildet werden. Das lief wirklich hervorragend, sagt Cramer beim Blick zurück. Die Vorbereitung auf die erste Saisonhälfte war wirklich super. Wir haben sehr schnell eine gemeinsame Ebene gefunden, nicht nur im fußballerischen Bereich, sondern auch im Privaten.
Sieben tut weh
Doch Cramer benennt auch das zentrale Problem. Es war natürlich schwierig, den ungemein großen Kader mit vielen jungen Leuten leistungsgemäß richtig einzuschätzen, um zwei schlagkräftige Mannschaften zu bilden. Die Findungsphase in der Vorbereitung war folglich lang: Ich habe allen Spielern viele, viele Chancen gegeben, sich im Rotationsprinzip zu empfehlen. Am Ende gab es Enttäuschungen, verständlich.

Meine Aufgabe ist es, den Menschen im fußballerischen Bereich zu beurteilen. Dass ich da manchem weh getan habe, ist mir klar. Es glaube aber bitte keiner, dass mir das leichtgefallen ist, sagt Cramer und betont: Wir haben im Trainerstab analysiert, wer schon Verbandsligareife besitzt und wer nicht. Man muss sich halt auch einmal durchbeißen können. Konsequenzen zur Winterpause hat Allrounder Andreas Klassen gezogen, bis Mitte der Vorrunde noch im Verbandsligakader: Er hat beim SC Willingen zugesagt, Rainer Schulze hat sich an seine Fersen gehfeftet und ist auch ins Upland gewechselt. Valeri Walger und Maxim Petruck haben indessen den Weg zum Lokalrivalen Blau-Gelb angetreten, wo die die aus der A-Jugend des TSV Korbach hervorgegangenen Talente zeine ganz große Verstärkung sein werden.
Cramer musste aber nicht nur auswählen, sondern dann beim Personal auch sein Spielsystem etablieren. Das dauerte. Und diese Arbeit an der
Taktik ist nicht zu Ende. Wir
haben das Zeug, im oberen Drittel mitzuhalten“, meint Cramer. „Entscheidend für mich wird aber sein, wie die Mannschaft mit meinen Vorgaben umgeht und sie umsetzt. Verinnerlichen sollen die Spieler freilich nicht nur Details wie Laufwege oder das Verschieben der Mannschaftsteile. Es geht dem Trainer auch ganz grundsätzlich um die Erkenntnis, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, in dem man nicht als Einzelner erfolgreich ist, sondern nur in der Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund muss ihm beim 4:0-Erfolg in Asbach das Herz aufgegangen sein: Da habe das Team meine Vorgaben umgesetzt, aktiv gegen den Gegner und für die eigene Mannschaft zu spielen.
Dieser Erfolg beim Hessenliga-Absteiger, der in Korbach mit 4:3 noch triumphiert hatte, war der (vorläufige) Höhepunkt eines perfekten Rückrundenstarts der Kreisstädter mit drei Siegen in drei Spielen. Als Rangvierter steht der TSV/FC so gut da wie nie in dieser Saison. Da aber die Konkurrenz bis zu drei Spiele weniger ausgetragen hat, gibt die Tabelle ein schiefes Bild wideer.
Auf der anderen Seite nimmt den Korbachern ihre 34 Zähler niemand mehr. Sie gehen zudem trotz weiterer drei Abmeldungen aus dem Kreis der zweiten Mannschaft personell gestärkt ins neue Jahr. Raphael Leibfacher, Tim Bialuschewski, Wladislaw Blum und Jan Pohlmann haben sich nach teilweise langwierigen Verletzungen zurückgemeldet. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung bei den Kreisstädtern, auch wenn die Plätze eins und zwei nach wie vor fast unerreichbar scheinen.
Talente betreuen Cramer formuliert als seine
kommenden Aufgabe ohnehin nichts, was sich in Zahlen
ausdrücken lässt. Er wolle die Spieler weiterentwickeln, um das Niveau noch zu steigern, sagt er. Außerdem muss er ein Auge auf die A-Junioren haben. Eigentlich müsste der Verein jemanden einstellen, der sich um die großen Talente kümmert, die nachwachsen, sagt er. Er habe nur die Zeit, den
älteren Jahrgang mehr unter seine Fittiche zu nehmen. Immerhin droht den Korbachern im nächsten Jahr nicht die Fülle von englischen Wochen wie stets in den vergangenen Spielzeiten. Dank Kunstrasen ist der TSV/FC zum ersten Mal seit zig Jahren mit nur einem Nachholspiel in die Winterpause gegangen – es ist am 26. Februar in Dörnberg neu angesetzt. Die nächste Station heißt dann Grebenstein, und danach wissen die Korbacher, ob sie ihren Aufwärtstrend über die Winterpause gerettet haben.
Silberhochzeit als Beginn einer neuen Ära
Wenn man wissen will, warum das Korbacher Verbandsliga-Team ist, was es ist, muss man zunächst einmal knapp ein Jahr zurückblenden – zur Silberhochzeit von Sybille und Eckhard Vogel im Januar. Der Rattlarer, einer der besten Waldecker Mittelfeldspieler überhaupt, hatte dazu viele Fußballgrößen der 80er- und90er-Jahre eingeladen, darunter Ulrich Schwalenstöcker, sein kongenialer ehemaliger Partner in Willingen und Korbach.
Als Cheftrainer beim TSV/FC suchte Schwalenstöcker gerade händeringend einen Nachfolger – er fand ihn unter den rund 200 Gästen von „Eckes“ und seiner Frau. Der Mann heißt Tobias Cramer und brachte alles mit, was sich Schwalenstöcker so vorstellte, vor allem neue Ideen und Methoden. Und: Er kam von außen. Cramer hatte weder für den SV 09 oder den FC Korbach gespielt, sondern in Willingen, wo er unter „Schorsch“ Niglis auch in den Trainerjob eingestiegen war.
Nicht zuletzt hatte Cramer junge Spieler trainiert – während seines Studiums zum Diplomsportlehrer an der Sporthochschule Köln die U 15 des 1. FC (fünf seiner Jungs von damals spielen übrigens heute in der Bundesliga), später die U 17 des SC Paderborn. Also griff Abteilungsleiter Rolf Osterhold ganz schnell zu. Cramer entsprach dem Anforderungsprofil ideal. Umgekehrt erschien dem Übungsleiter der Job beim TSV/FC beinahe maßgeschneidert, nicht nur wegen der Nähe zu seinem Wohnort Willingen. Ich habe für mich persönlich die Chance gesehen, im höheren Amateurbereich Fuß zu fassen, wobei es natürlich eine große Rolle spielte, dass Korbach mit seiner Jugendarbeit eine sehr gute Perspektive geboten hat, sagt der 37-Jährige. Eine Ehe wie gemacht für beide Partner.
Texte und Interview: Wilfried Peecy Wohlfart mit freundlicher Genehmigung der

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